nach oben| Der österreichische Fernsehmarkt
Durchschnittlich 65,1% der österreichischen Bevölkerung im Alter ab 12 Jahren schauten im Jahr 2018 täglich fern. Damit entwickelte sich die Tagesreichweite des Fernsehens ganz leicht rückläufig bzw. stagnierte. Im Jahr 2017 war sie noch um rund 2,5 Prozentpunkte auf 65,3% angestiegen (2016: 62,7%, 2015: 62,4%).

Zugenommen hat hingegen wieder die durchschnittliche Sehdauer, deren Zuwachs aber mit einem Plus von sechs Minuten auf 192 Minuten pro Tag unter dem Wachstum der Jahre 2017 (plus 8 Minuten) und 2016 (plus 7 Minuten) blieb. 1/ Trotzdem setzte sich der Aufwärtstrend damit fort. Seit dem letzten Tiefststand im Jahr 2009 mit durchschnittlich 153 Minuten pro Tag, ist die Sehdauer um rund 25% bzw. um 39 Minuten gestiegen.

Wie schon bisher, wurden auch im Jahr 2018 ausländische Fernsehprogramme in Österreich mehr geschaut, als die inländischen Programmangebote, aber erstmals seit dem Jahr 2012 wurde der langfristige Zuwachstrend für die ausländischen Programme unterbrochen. Um sieben Zehntel-Prozentpunkte sank der Marktanteil ausländischer Programme an der TV-Nutzungszeit der österreichischen TV-Bevölkerung, erreicht damit aber weiterhin stattliche 56,6%. Der entsprechend auf 43,4% gewachsene Marktanteil der österreichischen TV-Programme resultiert aus einer guten Entwicklung der Privatsender.

ATV verbesserte im Jahr 2018 seinen Marktanteil um beachtliche sieben Zehntel-Prozentpunkte auf 3,3% Marktanteil und zog so mit Puls 4 gleich, das nach drei Verlustjahren in Folge im Jahr 2018 mit einem Zugewinn von drei Zehntel-Prozentpunkten erstmals wieder Boden gutmachte. Ebenfalls um jeweils drei Zehntel-Prozentpunkte ging es auch für Servus TV (2,4% MA) und für ATV 2 (1% MA) aufwärts. Damit nimmt ATV 2 erstmals die 1-Prozent-Hürde. Auch für das im Oktober 2016 österreichweit gestartete oe24.TV und für R9, das Verbundfernsehen regionaler Privatsender, verlief 2018 mit dem Zugewinn von jeweils einem Zehntel-Prozentpunkt auf 0,2% Marktanteil positiv. Das Musikspartenprogramm gotv bleibt bei 0,1%.
Die Marktanteile und Tagesreichweiten weiterer privater oder nicht-kommerzieller, österreichischer TV-Programme werden nicht gemessen oder sind nicht messbar.

Die ORF-Programmflotte kam 2018 auf einen Gesamt-Marktanteil von knapp 33%, was einem Verlust von einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit setzte das ORF-Fernsehen den langfristigen, seit mehr als einem Jahrzehnt anhaltenden und nur mit zwei Zwischenhochs (2012, 2015) unterbrochenen Abwärtstrend seines Gesamt-Marktanteils fort. Ursächlich war 2018 ausschließlich das Programm ORF 2, das um 1,3 Prozentpunkte auf 19,3% Marktanteil nachgab. ORF eins konnte seinen Marktanteil halten bzw. leicht um einen Zehntel-Prozentpunkt auf 10,9% ausbauen. ORF III verbesserte sich 2018 wieder und gewann zwei Zehntel-Prozentpunkte auf 2,2% Marktanteil hinzu. ORF SPORT+ blieb stabil bei 0,5%.


Bewegtbildnutzung: Anteile von klassischem Fernsehen und Online-Angeboten 2/
Die Nutzung von Bewegtbildquellen aus dem Internet stieg im Jahr 2018 in der Gesamtbevölkerung weiter an und erreichte 17% (2017: 14%, 2016: 11%) am durchschnittlichen, täglichen Gesamt-Bewegtbildkonsum der Österreicherinnen und Österreicher im Alter ab 14 Jahren. Den Löwenanteil von 82% ihres täglichen Bewegtbildkonsums (225 Minuten) deckte die TV-Bevölkerung im Jahr 2018 aber weiterhin mit dem linearen Fernsehangebot, das auf den klassischen Rundfunkwegen Kabel, Satellit oder Terrestrik empfangen wird. Darin enthalten waren 77% lineare TV-Nutzung zum Zeitpunkt der tatsächlichen Ausstrahlung (Live-TV) und 5% private Aufnahmen. Gegenüber dem Jahr 2017 ging damit allerdings der Anteil von Live-TV und TV-Aufzeichnungen am Gesamtbewegtbildkonsum um zwei Prozentpunkte zurück (2017: 84%).

Der größte Anteil an der Online-Bewegtbildnutzung entfiel mit 4 Prozentpunkten auf die Plattform YouTube (2017: 3%), gefolgt von den Mediatheken der TV-Sender (z.B. ORF TVthek), die ihren Anteil um einen Prozentpunkt zum Vorjahr auf 3% verbesserten. Videos aus den Online-Quellen Amazon Prime Video und Netflix konnten ihren Anteil an der durchschnittlichen Online-Bewegtbildnutzung der Gesamtbevölkerung verdoppeln und kamen jeweils auf knapp 2%. Der Rest verteilt sich auf Social Media und andere Internet-Quellen.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich beim gezielten Blick auf das Verhalten der jungen Bevölkerung, bei der die Nutzung des Internets für den täglichen Bewegtbildkonsum eine deutlich größere Rolle spielt und 2018 weiter zunahm.

Die 14- bis 29-Jährigen kamen 2018 auf einen durchschnittlichen, täglichen Bewegtbildkonsum von 212 Minuten (2017: 211 Minuten). Bereits 44% davon fand im Internet statt und setzte sich vorrangig aus dem Anschauen von Videos auf YouTube, auf Mediatheken, bei Netflix und Amazon Prime Video oder auf Social Media zusammen. 2017 betrug der Online-Anteil am Bewegtbildkonsum der jungen Zielgruppe noch 35%, 2016 waren es „erst“ 25%.

Die wichtigste Online-Quelle war auch bei den jungen Menschen die Plattform YouTube, mit der sie 2018 im Schnitt allein 10% ihres täglichen Bewegtbildkonsums abdeckten. Die Mediatheken der TV-Sender in Summe bauten ihren Anteil von 6% auf 8% aus. TV-Livestreams wurden mit einem Anteil von 6% doppelt so viel genutzt, wie noch 2017. Auch Netflix und Amazon Prime Video haben für die jungen Menschen an Bedeutung gewonnen. Netflix stieg von 3% auf 5%, der Anteil von Amazon wuchs von 3% auf 4%. Die Bewegtbildnutzung auf Social Media hat sich bei den jungen Menschen hingegen gegenüber dem Vorjahr kaum verändert (11%).

52% ihres Bewegtbildkonsums deckte die junge Zielgruppe im Jahr 2018 mit Fernsehinhalten (inkl. 4% private Aufzeichnungen), die klassisch über Kabel, Satellit oder Terrestrik empfangen wurden (2017: 61%, 2016: 70%, jeweils inkl. Aufzeichnungen).


Fernsehveranstalter und TV-Programme auf dem österreichischen Markt
Über den ORF mit seinen vier nationalen Fernsehprogrammen hinaus, sind in Österreich offiziell 159 (2017: 157) private TV-Veranstalter mit 239 (2017: 254) Programmen bei der Medienbehörde KommAustria registriert. Die Verbreitungsgebiete und das inhaltliche Angebot gehen dabei allerdings weit auseinander.

Von den 239 TV-Programmen werden 37 Programme in ganz Österreich verbreitet. Dazu zählen jedoch beispielsweise auch die (Werbe-) Fensterprogramme deutscher Privatsender – hier ist n-tv Austria neu hinzugekommen –, sowie die verschiedenen Programme des Pay-TV-Angebotes von Sky Austria, Programme wie ÖAMTC-TV oder regionale bzw. lokale TV-Programme, die als österreichweit gelten, weil sie sich (auch) über Satellit oder über die nationalen Kabelnetze der Telekom Austria (A1 TV) oder Magenta (vorm. UPC) verbreiten lassen.

Völlig vom österreichischen Markt verschwunden sind – bis auf eine Ausnahme – jene so genannten Shopping-Kanäle, die viele Jahre über Satellit verbreitet wurden, um erotische Telefonkontakte zu bewerben.


Österreichische Fernsehprogramme mit nationaler Verbreitung
Das Angebot bundesweit zu empfangender TV-Programme österreichischer Herkunft mit einem 24 Std./7 Tage-Vollzeitsendeplan blieb auch 2018 bei insgesamt 10 Programmen. Neben den öffentlich-rechtlichen Programmen „ORF eins“, „ORF 2“, „ORF III Kultur und Information“ und „ORF Sport+“, sind weiterhin sechs private TV-Programme national aktiv. Dies sind „ATV“, „ATV 2“, „Puls 4“, „ServusTV“, „oe24.TV“ und das Musikspartenangebot „gotv“, die allesamt über Satellit, Kabel und teils bundesweit, teils nur regional terrestrisch zu empfangen sind.

Darüber hinaus ist mit „R9 – Regionales Fernsehen Österreich“ bundesweit über Satellit ein Programmzusammenschluss der größten Regionalfernsehprogramme verfügbar. Dazu setzen die privaten Regionalprogramme W24, Vorarlbergs Regionalsender LändleTV sowie TirolTV, RTS aus Salzburg, Oberösterreichs LT1, KT1 aus Kärnten, der steirische Kanal3, SchauTV aus dem Burgenland und Niederösterreichs Regionalsender N1 Teile ihrer jeweiligen Programme zu einem Gesamtprogramm zusammen. Das Regionalprogramm Schau TV verfügt zudem noch über einen eigenen Satellitenkanal und ist so auch eigenständig national zu empfangen.


Regionale und lokale Fernsehprogramme
Außer Programmteile zum Satellitenangebot „R9 – Regionales Fernsehen Österreich“ beizutragen, werden die neun größeren privaten Regionalprogramme W24, LändleTV, TirolTV, RTS, LT1, KT1, Kanal3, SchauTV und N1 mit einem täglich aktuellen Programm im Umfang von 5 bis 8 Stunden in ihren jeweiligen Bundesländern vorwiegend in regionalen Kabelnetzen, aber in Teilen auch über Antenne, also „terrestrisch“ verbreitet.

Weitere knapp 70 TV-Programme von rund 40 Veranstaltern zeigen überwiegend in einer Dauerschleife lokale Magazinsendungen mit einer Länge von in etwa 20 bis 90 Minuten, die in regionalen oder lokalen Kabelnetzen ausgestrahlt und wöchentlich einmal aktualisiert werden.


Internet TV
Insgesamt bieten 19 (2017: 16) österreichische Internet-Fernsehveranstalter 52 (2017: 57) TV-Programme an.

Allein 33 der bei der KommAustria angezeigten Dienste entfallen auf den Mobilfunkanbieter „Hutchinson Drei Austria GmbH“, der damit als TV-Veranstalter exklusiv für seine Mobilfunkkundschaft Streaming-Angebote gegen Gebühr über das mobile Internet zugänglich macht. Abgesehen von Hutchinson, spannt das Internet-Fernsehangebot einen Bogen über Privat-bzw. Community-TVs, die ihr ansonsten klassisch verbreitetes TV-Programm parallel auch im Internet streamen, sowie über Kronehit TV bis hin zur Wiener Staatsoper, wo gegen Gebühr Aufführungen live im Internet verfolgt werden können.


Die „Sonstigen“
Rund 110 weitere, als Fernsehprogramme registrierte Angebote stellen zum sehr überwiegenden Teil lediglich „hauseigene“ Info-Kanäle von Kabelnetzbetreibern dar oder sind Wetterkameras von z.B. Bergbahn-Gesellschaften (Ski-Liftanlagen), deren Live-Bilder in lokale Kabelnetze in touristischen Regionen eingespielt werden. Die ehemals zahlreichen Zulassungen für Satelliten-TV-Programme, die „Adult Content“ bewerben und Telefonnummern entsprechender Dienste kommunizieren, sind auf nur noch ein Angebot zurückgegangen.


Audiovisuelle Mediendienste auf Abruf
Im Unterschied zu Streaming-Angeboten bzw. dem Internet TV, das entweder ganztägig oder zu vom Veranstalter festgelegten Zeitpunkten linear im Internet übertragen wird, listet die Medienbehörde KommAustria auch anzeigepflichtige „Audiovisuelle Mediendienste auf Abruf“. Die Anzeigepflicht ergibt sich aus einem gesetzlichen Kriterienkatalog, zu dem u.a. Merkmale wie eine Fernsehähnlichkeit oder eine kommerzielle Komponente zählen. In technischer Hinsicht zeichnen sich die Abrufdienste dadurch aus, dass der Anbieter in einem Online-Katalog Videos bzw. Sendungen anbietet, die die Nutzerinnen und Nutzer zu jeder gewünschten Zeit abrufen können – die also eben nicht linear nach einem Programmschema ausgespielt werden. Das Feld der Anbieter ist breit und reicht von den so genannten YouTubern über Mediatheken von TV-Sendern hin zu Sportvereinen, Gemeinden und Tourismusverbänden, die ihre Abrufdienste über YouTube, auf Facebook oder auf eigenen Websites zugänglich machen.

Die Zahl der Anbieter anzeigepflichtiger audiovisueller Mediendienste auf Abruf hat gegenüber dem Vorjahr deutlich zugenommen. Die Anzahl der Dienste selbst ist demgegenüber moderater gewachsen.

168 Anbieter (2018: 129) haben zum Stand August 2019 der Medienbehörde ihre Abrufdienste angezeigt. Diese 168 Anbieter betreiben 252 (2017: 237) anzeigepflichtige Mediendienste auf Abruf.


Förderung von Fernsehveranstaltern durch die RTR-GmbH
Die öffentlichen Fördermittel des Privatrundfunkfonds sowie des Nichtkommerziellen Rundfunkfonds tragen nachhaltig zur Stabilität des österreichischen Rundfunkmarktes (TV und Hörfunk) bei. Beide Fonds sind beim Fachbereich Medien der Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) eingerichtet. Seit dem Jahr 2013 und bis einschließlich des Jahres 2018, verfügte der Privatrundfunkfonds jährlich über 15 Mio. Euro (im Mai 2019 beschloss der Nationalrat eine Erhöhung der Mittel auf 20 Mio. Euro). Dem Nichtkommerziellen Rundfunkfonds stehen 3 Mio. Euro per anno zur Verfügung.

Für 2018 wurden Anträge auf Förderung von Produktionen, Ausbildungsmaßnahmen und Studien österreichischer Privatfernsehveranstalter aus dem Privatrundfunkfonds in Höhe von insgesamt 10.960.934 Euro positiv entschieden. Anträge nichtkommerzieller TV-Veranstalter auf Förderung aus dem Nichtkommerziellen Rundfunkfonds wurden in Höhe von insgesamt 913.878 Euro positiv bewertet.

1/ Quelle aller Werte: RTR Kommunikationsbericht 2018 bzw. GfK Austria/Arbeitsgemeinschaft TELETEST 2018
2/ Quelle: Bewegtbildstudie 2018, Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH/Arbeitsgemeinschaft TELETEST

Andreas Kunigk, RTR-GmbH
Die detaillierten Förderentscheidungen veröffentlicht die RTR-GmbH auf Ihrer Website unter https://www.rtr.at/de/foe/Foerderungen.