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Filmfestivals sind periodisch stattfindende, kulturelle Veranstaltungen mit Event-Charakter, die Produzent*innen und Filmemacher*innen die Chance geben, international auf sich aufmerksam zu machen und Vertriebswege für ihre Filme zu erschließen.
Jährlich findet eine große Anzahl Festivals statt, die unterschiedlichen, manchmal auch mehreren Kriterien zugeordnet werden können und die sich bestimmten Themen (z.B. Sport), Gruppen (Kinderfilmfestivals), einer bestimmten Kategorie von Filmen (Dokumentarfilm, Kurzfilm) oder auch einem Genre (Horror) widmen. Oft spielt auch die Herkunft von Filmen eine wichtige Rolle. Die genaue Anzahl der Festivals lässt sich dadurch nur schwer bestimmen.

European Coordination of Film Festivals (ECFF)
Die Idee dieses europaweiten Filmfestivalverbandes entstand 1994 auf Initiative mehrerer Filmfestivals in Europa. 1996 wurde die ECFF offiziell als European Economic Interest Grouping (EEIG) gegründet und verfügt damit über eine von der EU anerkannte formale Struktur. Die ECFF ist mittlerweile ein Netzwerk von über 180 Mitgliedsfestivals.

Die Ziele der ECFF sind:
  • die Intensivierung der Kooperation zwischen den Filmfestivals in Europa
  • die Förderung der Vielfalt und der Verbreitung des europäischen Films
  • die Darstellung der kulturellen und sozio-ökonomischen Bedeutung der Filmfestivals in Europa.

Bei der Gestaltung von Filmfestivals haben sich bestimmte Strukturen herausgebildet, die auf eine Vielzahl von Festivals zutreffen: Wettbewerbe teilen sich häufig in internationale und nationale Wettbewerbe sowie in Wettbewerbe nach Filmgenres. Oft entscheidet eine Jury und die Preise werden in publikumswirksamen Veranstaltungen überreicht. In sogenannten Panorama-Sektionen werden Filme außerhalb des Wettbewerbs gezeigt. Tributes und Retrospektiven widmen sich beispielsweise einem bestimmten Regisseur oder einer Regisseurin. Länder-Schwerpunkte werden manchmal als Fokus bezeichnet. Für Branchenvertreter*innen findet oft ein Filmmarkt statt. Berlin, Cannes oder Toronto haben z.B. eine Filmmesse (Filmmarkt) angeschlossen. Viele Filmfestivals veranstalteten Rahmenprogramme mit weiteren kulturellen Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Konferenzen und Fortbildungsseminaren für Filmschaffende.

Die bedeutendsten Festivals für den Kinofilm sind sogenannte A-Festivals. Als A-Festivals gelten Filmfestspiele mit internationalem Wettbewerb, die beim internationalen Filmproduzentenverband (FIAPF) akkreditiert sind. Der FIAPF versteht sich als weltweite Schnittstelle zwischen Filmfestivals und Filmindustrie und bescheinigt internationalen Filmfestivals die Erfüllung bestimmter Auflagen. Die jährlich neu erstellten FIAPF-Listen akkreditierter Festivals werden allgemein als Maßstab für die internationale Bedeutung eines Filmfestivals angesehen. 2015 wurde Tallinn mit dem Black Nights Film Festival in die Liste der A-Festivals aufgenommen. Die Festivals von Berlin, Cannes und Venedig gelten als die wichtigsten Filmfestivals weltweit, deren Preise vor allem für die „Filmkunst“ einen hohen Stellenwert haben.

Die FIAPF unterscheidet die folgenden Kategorien:
• Festivals mit internationalem Wettbewerb (A-Festivals, 15)
• Festivals mit spezialisiertem internationalen Wettbewerb (295)
• Festivals ohne internationalen Wettbewerb (drei, darunter die Viennale)
• Dokumentar- und Kurzfilmfestivals (fünf)

COMPETITIVE FEATURE FILM FESTIVALS (A-FESTIVALS)
Internationale Filmfestspiele Berlin (Deutschland, Februar)
Festival de Cannes (Frankreich, Mai)
Shanghai International Film Festival (China, Juni)
Moscow International Film Festival (Russland, Juni)
Karlovy Vary International Film Festival (Tschechien, Juli)
Festival Internazionale del film Locarno (Schweiz, August)
World Film Festival Montréal (Kanada, August/September)
Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica (Venedig, Italien, August/September)
Festival Internacional de Cine de San Sebastián (Spanien, September)
Warsaw Film Festival (Polen, Oktober)
Tokyo International Film Festival (Japan, Oktober)
Cairo International Film Festival (Ägypten, November)
Tallinn Black Nights Film Festival (Estland, November)
Festival Internacional de Cine de Mar del Plata (Argentinien, November)
International Film Festival of India (Goa, Indien, November)
Quelle: Internationaler Filmproduzentenverband (FIAPF)

Die Austrian Film Commission (AFC) gibt in ihrem Jahresbericht für 2015 an, dass in diesem Jahr 25 der von ihr betreuten Filme ihre internationale oder Welt-Premiere auf Filmfestivals feierten. Insgesamt gab es mit 356 Festivalteilnahmen, deutlich weniger Teilnahmen als im Jahr 2014 (459).
Die AFC vertrat insgesamt 75 Filme, zwölf Filme mehr als im Jahr 2014, davon 32 Spielfilme und 43 Dokumentarfilme. Nach Jahren eines annähernd ausgewogenen Verhältnisses zwischen Spiel- und Dokumentarfilm schlägt 2015 der Vergleich damit ganz klar zugunsten des Dokumentarfilms aus.
Die AFC unterteilt die Festivals dabei in drei Kategorien:
Key Festivals: Bei diesen Festivals handelt es sich mehrheitlich um Ur- und Erstaufführungsfestivals, die für den internationalen Ersteinsatz einer neuen Produktion Priorität haben.
Kategorie 1: Wichtigste Nachspielfestivals
Kategorie 2: Nachspielfestivals mit geringerer, meist regionaler bzw. lokaler Bedeutung.
In der Kategorie der Key Festivals konnten 20 Teilnahmen erzielt werden, bei den Festivals der Kategorie 1 wurden 62 Teilnahmen erreicht. Bei den Festivals der Kategorie 2 waren es in Summe 274 Teilnahmen.
Spitzenreiter an Festivalteilnahmen sind der Horrorfilm Ich seh Ich seh von Veronika Franz und Severin Fiala mit alleine 65 Teilnahmen und der Dokumentarfilm Im Keller von Ulrich Seidl mit 33 Teilnahmen und Superwelt von Karl Markovics mit 24 Teilnahmen.

Erfolgsabhängige Filmförderung des Filminstituts
Die Teilnahme an ausgewählten Wettbewerben internationaler Filmfestivals sowie Preise und Auszeichnungen in Zusammenhang mit dem Zuschauer*innen-Erfolg im Inland qualifizieren österreichische Kinofilme als Referenzfilme im Rahmen der erfolgsabhängigen Filmförderung (Referenzfilmförderung) des Filminstituts. Referenzmittel werden in Form nicht rückzahlbarer Zuschüsse vergeben und sollen anspruchsberechtigten Produzent*innen die Grundfinanzierung für die Herstellung eines neuen Films ermöglichen. Zusätzlich erhalten die Autor*innen und Regisseur*innen der Referenzfilme fixe Förderbeträge zur unabhängigen Stoffentwicklung („incentive funding“). 2015 haben - wie im Jahr zuvor - drei Filme aufgrund von Preisen und Teilnahmen an Festivalwettbewerben (in Kombination mit Kinobesuchen) die Voraussetzung für die Beanspruchung von Referenzmittel erfüllt:
Ich seh Ich seh/Ulrich Seidl Film Regie: Veronika Franz, Severin Fiala Festival: Venedig 2014 - Orizzonti
Risse im Beton/Wega Film Regie: Umut Dağ Festival: Berlin 2014 - Panorama Spezial
Superwelt/Epo Film Regie: Karl Markovics Festival: Berlin 2015 - Forum
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Quelle: Filminstitut