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Mehr noch als in den letzten Jahren, in denen die Dynamik der Entwicklung bereits beeindruckend war, hat sich die Veränderung als Norm manifestiert. Der nun vorliegende zwölfte Bericht des Österreichischen Filminstituts zur Lage der heimischen Filmwirtschaft ist von beträchtlichen Veränderungen in nahezu allen Bereichen geprägt, und die Vorzeichen für weitere Veränderungen in den kommenden Jahren zeichnen sich bereits ebenfalls deutlich ab.

Die Rahmenbedingungen für die Produktion, den Vertrieb und die Verwertung von Filmen wurden in den letzten Jahren neu definiert. Dabei spielen Technologie, neue Marktmechanismen und Politik in vielschichtigen Wechselbeziehungen zusammen. Diese zunehmend komplexer werdende Realität spielgelt sich auch in Inhalt und Struktur dieses Berichts. Wir sind stets bemüht, Zeitreihen mit vergleichbaren Daten zur Verfügung zu stellen. Filme entstehen meist über mehrere Jahre hinweg und die Verwertung zieht sich in Einzelfällen über viele Jahre. Hier einen isolierten Betrachtungszeitraum von nur einem Jahr als Ausschnitt zu wählen, kann daher oft zu Ergebnissen führen, die deutlich zu kurz greifen. Daher müssen wir auf kontinuierliche Datenstrukturen abzielen.

Allein: Die Geschwindigkeit der Entwicklung des Marktes lässt dies nur eingeschränkt zu. Wenn Filme im Laufe ihrer Entstehung etwa den Titel mehrmals ändern, die (genannten) Verwertungspläne bei unterschiedlichen Fördergebern differierende Strategien erkennen lassen und bisweilen auf eine Kategorisierung gänzlich verzichtet wird, ist etwa die Unterscheidung zwischen Kino- und TV-Filmen immer schwerer aufrecht zu erhalten.

Die Hektik und die Vielfalt der Vertriebswege erlauben nur mehr eingeschränkte Aussagen zu Publikumszahlen. Das gilt in erster Linie für die europäischen Produktionen und besonders für die österreichischen Filme, wenn es darum geht, Reichweiten zu einer verlässlichen Gesamtzahl an Besucher*innen oder Seher*innen zu aggregieren:
• der für den österreichischen wie europäischen Film so wichtige Sender ORF III veröffentlicht keine Reichweiten
• die Festivals, die auch im Filmwirtschaftsbericht als Plattform für engagierte Produktionen immer mehr Raum erhalten, nennen keine Besuchszahlen für österreichische Filme
• Streamingdienste veröffentlichen keine wie immer gearteten Zahlen

Gerade angesichts der technischen Revolutionen, die Film und Fernsehen auf dem Smartphone in jeder Lebenslage verfügbar machen, des Streamings und der explodierenden Angebote des nichtlinearen Fernsehens sind die Verluste an Informationsqualität zu den Zahlen der Nutzer*innen besonders unbefriedigend. Das Filminstitut hat daher eine Studie zu diesem Thema in Auftrag gegeben, deren Vorabergebnisse in diesem Bericht zitiert werden. Und diese Ergebnisse machen deutlich, wie umfassend und vor allem schnell sich die Veränderungen der Rezeptionsmuster entwickeln. Das Filminstitut setzt alles daran, auch in Zukunft möglichst umfassend zu dokumentieren, was mit den Filmen geschieht, die durch Mittel der Steuerzahler*innen (mit) finanziert werden.

Die abgeschlossene Digitalisierung der österreichischen Kinos hat die Entwicklung des Angebots weiter vorangetrieben: Von 431 Filmen in den österreichischen Kinos waren 375 Erstaufführungen, 37 davon waren erstaufgeführte österreichische Produktionen. Im längerfristigen Schnitt war der Marktanteil europäischer Filme mit 30% hoch. Die Besuchszahlen waren nach einigen eher rückläufigen Jahren wieder ansteigend und erreichten 15,9 Millionen.

In der österreichischen Filmwirtschaft hält die Wachstumsentwicklung weiter an: Die Anzahl der Unternehmen und die der Beschäftigten wächst ungebrochen. Bei Fördermitteln von zuletzt knapp 82 Mio. Euro hat sich der Umsatz der Branche deutlich gesteigert und liegt nunmehr bei 918 Mio. Euro.

Einen Aspekt wird das Österreichische Filminstitut in den kommenden Jahren genau beobachten: Angesichts der zunehmenden Heterogenität der Vertriebswege und der Herausbildung von Hegemonien innerhalb der neuen Vertriebsformen wird das Marketing zunehmend wichtig für den lokalen Erfolg kleinerer Produktionen. Hier sollte Kreativität genauso gefordert und gefördert werden, wie das bei der Produktion der Fall ist.

Mag. Roland Teichmann,
Direktor Österreichisches Filminstitut
November 2016