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Das klassische Modell der Vertriebskaskade über das Kino zu DVD, Video on Demand und dann Pay-TV bis letztlich Free-TV wird zunehmend durchbrochen. Nicht zuletzt das große Interesse an TV-Serien hat hier zu einem Umbruch geführt. Streamingdienste wie Netflix (das seit September 2014 auch in Österreich und Deutschland angeboten wird), Hulu oder Maxdome bieten Serienfolgen bereits vor der Ausstrahlung im Fernsehen an, monatliche Gebühren oder Pay-per-view Modelle erlauben individuell optimierten Konsum.

Wenn etwa US-amerikanische Produktionen (The Sea of Trees) mit namhaften Schauspielern (Naomi Watts und Matthew McConaughey) in der Regie eines „Könners“ (Gus Van Sant) in der ersten Woche in den US-Kinos an Box Offices 2.894 USD einspielt und in der zweiten Woche dennoch in 101 Sälen gespielt wird (ohne dass sich die Zahlen wesentlich verbessern), dann hat das mit der traditionellen Kaskade nichts mehr zu tun. Diese Aktion dient lediglich dazu, den Film bei Netflix und iTunes anbieten zu können. Dafür muss er nämlich in 100 Sälen gelaufen sein. (Kurier am 7.9.2015, Seite 25)

Die Entwicklung der Vertriebskanäle ist der aktuell dynamischste Bereich der Filmwirtschaft. Die digitalen Technologien sind in ihren Auswirkungen auf die Produktion und den Vertrieb von Filmen kaum weniger entscheidend als der Siegeszug des Fernsehens in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Das Filminstitut hat daher eine Studie beauftragt, die diese neuen Vertriebsformen auch in ihren Auswirkungen auf Europa und hier insbesondere des deutschsprachigen Raum und vor allem Österreich untersuchen soll. Erste Daten aus dieser nicht veröffentlichten Untersuchung sind hier in dieses Kapitel des Filmwirtschaftsberichts aber bereits eingeflossen.

Neben den hier in erster Linie und bereits klar erkennbar betroffenen Videotheken hat die digitale Verbreitung aber auch Auswirkungen auf den Verkauf von DVD und Blu-Ray, vor allem aber das lineare Fernsehen. Darüber spielen in diesem Zusammenhang auch Spiele bzw. die dafür genutzte Hardware eine nicht unwesentliche Rolle. In den angelsächsischen Ländern wird der Markt daher auch umfassend als Home Entertainment betrachtet.

Ob und wie die traditionelle Form der Nutzung eines Films im Kino und die Nutzung im linearen TV betroffen sein werden, muss sich erst zeigen.

So wie in den angelsächsischen Ländern und seit 2014 in Deutschland haben digitale Verleihformen (in erster Linie S-VOD) den Markt neu aufgeteilt. 2015 hat in Österreich die Anzahl der Nutzer*innen von VOD erstmals die Millionengrenze überschritten. Im Vergleich dazu sind es aktuell rund 3,5 Millionen Kinobesucher*innen. Laut jüngster Prognose, sollen es bis 2020 schon fast 1,8 Millionen Nutzer*innen für VOD sein. Alleine Netflix soll dann in Österreich rund 1,1 Millionen Abonennt*innen aufweisen.

Besonders spannend dabei ist, dass die Nutzer*innen der digitalen Videos eine kleine Minderheit innerhalb der Konsument*innen digitaler Angebote darstellen. Aktuell stehen einer*einem Videokonsumentin*Videokonsumenten 2,5 Musikkäufer*innen und vier Gamer*innen gegenüber. Und bei den Konsument*innen von E-Publishing ist es sogar die siebenfache Anzahl.

Das dynamischste Wachstum dürfte nach Expert*innenschätzungen etwa bis 2017 stattfinden, ab dann wird der Anstieg etwas weniger steil.

Noch sind es in erster Linie die Streamingangebote der TV-Sender, die die beliebtesten Inhalte der Österreicher*innen darstellen: Der ORF (und das aktuell noch stärker mit dem neuen Angebot der tvthek) der weit mehr als die Hälfte aller Landsleute erreicht, vor ATV (17%), prosieben (15%) und Puls 4 (14%).
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* Prognose
Angaben in Mio. Euro
Quelle: Streaming als Vertriebsform. Die Auflösung der Kaskade.
Studie durchgeführt im Auftrag des Österreichischen Filminstituts
Triconsult 2016/2017, zitiert nach Statista