nach oben| Facts 2014
In den vergangenen Jahren, in denen das Österreichische Filminstitut die zehn Vorgängerberichte der nun mehr elften Ausgabe herausgebracht hat, haben sich die Rahmenbedingungen für die Produktion, den Vertrieb und die Verwertung von Bewegtbild stark verändert. Dabei spielen Technologie, Politik und Wirtschaft in komplexen Wechselbeziehungen zusammen.

Die wirtschaftliche Krise der letzten Jahre hat die Bewegungsspielräume von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erheblich verändert, die Filmrolle als Symbol des Kinos ist Geschichte, Film ist heute digital. Fernsehen findet zunehmend auf den kleinen Schirmen von Smartphones statt und die immer größeren Flachbildschirme sind die Artefakte eines linearen Fernsehens, das in den USA von Jüngeren immer weniger genutzt wird. Die öffentliche Hand als Garant einer lebensfähigen Filmwirtschaft hat ihre Verantwortung bisher vorbildlich wahrgenommen und der österreichischen Filmwirtschaft weitgehend Stabilität erlaubt.

Nach wie vor macht es das Fehlen von gesetzlichen Meldeverpflichtungen schwierig, die Daten zu Kinobesuchen (inklusive aller Sonderformen), Förderungen und Besuchszahlen österreichischer Produktionen und vor allem der Nutzungsdaten neuer Vertriebsformen verlässlich zu erfassen. Aber auch die verlässliche Darstellung der Zahlen der SeherInnen von österreichischen Produktionen in österreichischen TV-Sendern ist kaum mehr möglich. Auch hier macht sich das Fehlen einer zentralen Förderdatenbank bemerkbar. Und die Entwicklungen der letzten Jahre scheinen erst der Auftakt zu einer weitgehenden Neuorientierung der Film-, Fernseh- und der Unterhaltungsindustrie zu sein. Kino war immer schon eine globalisierte Industrie. Die neuen Vertriebsformen des nichtlinearen Angebots, die Bandbreiten des Internet aber lassen Zeit und Entfernung völlig bedeutungslos werden. National sind in erster Linie noch gesetzliche und urheberrechtliche Regelungen.

Die neuen Vertriebsorganisationen aber stellen nicht nur in der Verwertung der Inhalte alle bisherigen Regeln auf den Kopf, sie umgehen auch die bisherigen Contentlieferanten (in erster Linie die TV-ProduzentInnen) durch eigene höchst professionelle und noch dazu erfolgreiche Produktionen.

Auch wenn in der Geschichte der Medien kaum jemals eine Mediengattung durch die Technologie völlig verdrängt wurde, waren die Anpassungen teilweise dramatisch und in jedem Fall für die Betroffenen schmerzhaft. Dazu kommt, dass das Internet als neues Medium sich so schnell durchgesetzt hat, wie nie zuvor eine neue Technologie; vor allem aber ist das Internet nicht ein neues Medium sondern eine Art technologischer Ergänzung bisheriger Medien wie der Zeitung, des Hörfunks, des Kinos, des Fernsehens. Und das jetzt auch an jedem Ort und zu jeder Zeit. Das Filminstitut bemüht sich seit dem ersten Filmwirtschaftsbericht, die Datenqualität zu verbessern, neue Quellen zu erschließen, die Veränderungen adäquat abzubilden. In einer jüngst beauftragten Studie sollen daher Grundlagen zur Nutzung von VoD und Streaming Angeboten erhoben werden, um auch für diesen aktuell dynamischsten Bereich fundierte Informationen bereitstellen zu können. Schließlich sind es vor allem Videos, die das Wachstum des Datenverkehrs im Internet ausmachen. 2014 waren es laut dem Technologieanbieter, Cisco zwei Drittel des weltweiten Datenverkehrs und innerhalb von fünf Jahren (bis 2019) sollen es 80% werden.
Die nun abgeschlossene Digitalisierung der österreichischen Kinos (es gibt nur mehr drei analog bespielte Säle in Österreich) hat die Entwicklung des Angebots weiter getrieben: Von 413 Filmen in den österreichischen Kinos waren 362 Erstaufführungen, 44 davon waren erstaufgeführte österreichische Produktionen. Im längerfristigen Schnitt war der Marktanteil europäischer Filme mit knapp 30% hoch; allerdings gab es in Österreich im Vorjahr keine wirklichen Blockbuster. Das wirkt sich auch auf die insgesamt eher niedrigen Besuchszahlen von 14,3 Millionen aus. In der österreichischen Filmwirtschaft hält die Wachstumsentwicklung jedoch weiter an: Die Anzahl der Unternehmen und die der Beschäftigten wächst. Bei stabilen Fördermitteln von zuletzt 77 Mio. Euro hat sich der Umsatz der Branche deutlich gesteigert und liegt nur mehr knapp unter der Milliardengrenze.

Mag. Roland Teichmann