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Filmfestivals sind periodisch stattfindende, kulturelle Veranstaltungen mit Event-Charakter, die ProduzentInnen und FilmemacherInnen die Chance geben, international auf sich aufmerksam zu machen und Vertriebswege für ihre Filme zu erschließen.

Jährlich findet eine große Anzahl Festivals statt, die unterschiedlichen, manchmal auch mehreren Kriterien zugeordnet werden können und die sich bestimmten Themen (z.B. Frauen, Sport, etc.), Gruppen (Kinderfilmfestivals), einer bestimmten Kategorie von Filmen (Dokumentarfilm, Kurzfilm) oder auch einem Genre (Sport, Horror) widmen. Oft spielt auch die Herkunft von Filmen eine wichtige Rolle. Die genaue Anzahl der Festivals lässt sich dadurch nur schwer bestimmen. Die European Coordination of Film Festivals (ECFF), die Interessenvertretung europäischer Filmfestivals mit Sitz in Brüssel, geht von bis zu 800 Filmfestivals in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union aus, darunter ungefähr 160 Kurzfilmfestivals. Anderen Schätzungen zufolge ist diese Zahl noch zu niedrig bemessen.

Bei der Gestaltung von Filmfestivals haben sich bestimmte Sektionen herausgebildet, die auf eine Vielzahl von Festivals zutreffen. Wettbewerbe teilen sich häufig in internationale und nationale Wettbewerbe sowie in Wettbewerbe nach Filmgenres. Oft entscheidet eine Jury und die Preise werden in publikumswirksamen Veranstaltungen überreicht. In sogenannten Panorama-Sektionen werden Filme außerhalb des Wettbewerbs gezeigt.
Tributes und Retrospektiven widmen sich beispielsweise einem bestimmten Regisseur oder einer Regisseurin. Länder-Schwerpunkte werden manchmal als Fokus bezeichnet.
Für Branchenvertreter findet oft ein Filmmarkt statt. Berlin, Cannes oder Toronto haben z.B. eine Filmmesse (Filmmarkt) angeschlossen.
Viele Filmfestivals veranstalteten Rahmenprogramme mit weiteren kulturellen Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Konferenzen und Fortbildungsseminaren für Filmschaffende.

Die bedeutendsten Festivals für den Kinofilm sind sogenannte A-Festivals. Als A-Festivals gelten Filmfestspiele mit internationalem Wettbewerb, die beim internationalen Filmproduzentenverband (FIAPF) akkreditiert sind. Der FIAPF versteht sich als weltweite Schnittstelle zwischen Filmfestivals und Filmindustrie und bescheinigt internationalen Filmfestivals die Erfüllung bestimmter Auflagen. Die jährlichen FIAPF-Listen akkreditierter Festivals werden allgemein als Maßstab für die internationale Bedeutung eines Filmfestivals angesehen. Die Festivals von Berlin, Cannes und Venedig gelten als die wichtigsten Filmfestivals weltweit, deren Preise vor allem für die „Filmkunst“ einen hohen Stellenwert haben.

Die FIAPF unterscheidet die folgenden Kategorien:
• Festivals mit internationalem Wettbewerb (A-Festivals, 14)
• Festivals mit spezialisiertem internationalen Wettbewerb (29)
• Festivals ohne internationalen Wettbewerb (3, darunter fällt z.B. die Viennale)
• Dokumentar- und Kurzfilmfestivals (5)

Competitive Feature Film Festivals (A-Festivals)
Internationale Filmfestspiele Berlin (Deutschland, Februar)
Festival de Cannes (Frankreich, Mai)
Shanghai International Film Festival (China, Juni)
Moscow International Film Festival (Russland, Juni)
Karlovy Vary International Film Festival (Tschechien, Juni/Juli)
Festival Internazionale del film Locarno (Schweiz, August)
World Film Festival Montréal (Kanada, August/September)
Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica (Venedig, Italien, August/September)
Festival Internacional de Cine de San Sebastián (Spanien, September)
Warsaw Film Festival (Polen, Oktober)
Tokyo International Film Festival (Japan, Oktober)
Festival Internacional de Cine de Mar del Plata (Argentinien, November)
Cairo International Film Festival (Ägypten, November)
International Film Festival of India (Goa, Indien, November)
Quelle: Internationaler Filmproduzentenverband (FIAPF)

Die Austrian Film Commission (AFC) gibt in ihrem Jahresbericht an, dass 2013 insgesamt 29 internationale Premieren österreichischer Produktionen erfolgten. Die AFC betreute 60 Filme, um 14 weniger als im Jahr zuvor. Insgesamt kam es mit 544 Festivalteilnahmen jedoch zu einer deutlichen Steigerung der Teilnahmen gegenüber dem Vorjahr (429). Die Zahl der betreuten Filme ist mit 29 Spielfilmen und 31 Dokumentarfilmen zum zweiten Mal in Folge ausgewogen verteilt.

Die AFC unterteilt die Festivals dabei in drei Kategorien:
Key Festivals: bei diesen Festivals handelt es sich mehrheitlich um Ur- und Erstaufführungsfestivals, die für den internationalen Ersteinsatz einer Produktion Priorität haben.
Kategorie 1: wichtigste Nachspielfestivals
Kategorie 2: Nachspielfestivals mit geringerer, meist regionaler bzw. lokaler Bedeutung.
In der Kategorie der Key Festivals konnten 16 Teilnahmen erzielt werden, bei den Festivals der Kategorie 1 wurden 92 Teilnahmen erreicht. Bei den Festivals der Kategorie 2 waren es in Summe 436 Teilnahmen.

Erfolgsabhängige Filmförderung des Filminstituts
Die Teilnahme an ausgewählten Wettbewerben internationaler Filmfestivals sowie Preise und Auszeichnungen qualifizieren österreichische Kinofilme auch als Referenzfilme im Rahmen der erfolgsabhängigen Filmförderung (Referenzfilmförderung) des Österreichischen Filminstituts. Die Referenzmittel sollen anspruchsberechtigten ProduzentInnen die Grundfinanzierung für die Herstellung bzw. die Entwicklung eines neuen Projekts nach eigener Entscheidung ermöglichen. Im Jahr 2013 haben drei Filme aufgrund von Preisen und Teilnahmen an Festivalwettbewerben (in Kombination mit Kinobesuchen) die Voraussetzung für die Beanspruchung von Referenzmittel beim Filminstitut erfüllt:
„Alphabet“/Prisma Film, Regie: Erwin Wagenhofer, Amsterdam IDFA - Teilnahme Wettbewerb
„Das Pferd auf dem Balkon“/MINI Film, Regie: Hüseyin Tabak, Chicago Children‘s Film Festival - Adult Jury Prize for Live Action Feature Video
„Paradies: Hoffnung“/Ulrich Seidl Film, Regie: Ulrich Seidl, Berlin - Wettbewerb
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Quelle: Filminstitut