nach oben| Fernsehveranstalter
Fernsehen ist nach wie vor der - quantitativ - bedeutendste Vertriebskanal audiovisueller Inhalte. Aber das Fernsehen befindet sich aktuell in einer entscheidenden technologischen Umbruchphase. Nach Kabel und Satellit werden webbasierte Technologien immer wichtiger. Noch relevanter aber ist das
Heranwachsen von individuell abrufbaren Inhalten als Alternative zum klassischen Modell des linearen Fernsehens. Diese Entwicklungen zeigen sich in Österreich mit einiger Verspätung gegenüber den angelsächsischen Märkten, sind aber bereits deutlich erkennbar. Zum einen steigen die Anbieterzahlen der neuen Verbreitungstechnologien, zum anderen aber haben auch lineare Anbieter noch eklatante Wachstumsraten anzubieten. Beide Entwicklungen bedeuten für die Lieferanten von Inhalten Chance und Bedrohung.

2013 war für national zu empfangende TV-Programme ein Jahr der Stagnation. Gegenüber dem Jahr 2012 ist die Anzahl der national zu empfangenden Fernsehprogramme mit neun Angeboten österreichischer Herkunft stabil geblieben. Für die kommenden Jahre ist hier aber nach Auskunft der Anbieter mit weiteren Zuwächsen zu rechnen.

Neben den ORF Programmen „ORF EINS“, „ORF 2“, „ORF III Kultur und Information“ und „ORF Sport+“, agieren auf nationaler Ebene fünf private TV-Programme österreichischer Herkunft: „ATV“, „ATV II“, „Puls 4“, „ServusTV“ und das Musikspartenangebot „gotv“.

Eine relevante Neuerung am österreichischen Fernsehmarkt stellt der im April 2013 erfolgte Start des digitalen Antennenfernsehens auf Basis des Übertragungsstandards DVB-T2 dar. DVB-T2 ist der deutlich leistungsfähigere Nachfolger des 2006 in Österreich gestarteten DVB-T. Unter dem Markennamen „simpliTV“ bietet das neue DVB-T2-Angebot insgesamt 30 TV-Programme, von denen neun Programme in HD-Auflösung ausgestrahlt werden. Mit Ausnahme der drei Programme ORF EINS HD, ORF 2 HD und ServusTV HD, sind alle weiteren Kanäle deutscher Herkunft. In der vom Netzbetreiber ORS GmbH bis Ende 2013 vorgenommenen Ausbaustufe erreicht „simpliTV“ eine technische Reichweite von rund 86%.

Nach wie vor aber stellen regionale oder lokale Angebote mit großem Abstand den zahlenmäßig größten Anteil österreichischer Fernsehprogramme. Diese Programme werden überwiegend in Kabelnetzen, zum kleineren Teil aber auch digital-terrestrisch verbreitet.
nach oben| Private Fernsehveranstalter in österreichischen Kabelnetzen (Kabelrundfunkveranstalter)
Die Zahl der Kabel-Fernsehveranstalter in den Bundesländern zeigt laut Anzeige gemäß Audiovisuelle Mediendienstegesetz (AMD-G) zum Stand Juli 2014 durchaus heterogene Entwicklungen. Während in Oberösterreich und der Steiermark, den traditionellen Hochburgen lokaler Netzbetreiber, die Angebote kabelgebundener lokaler Veranstalter zurückgehen, weisen Niederösterreich und vor allem Tirol eine Zunahme dieser Angebote auf.

In allen folgenden Darstellungen ist der ORF mit seinen TV-Programmen, die allesamt sowohl über Satellit als auch über Kabel und terrestrische Ausstrahlung verfügbar sind, nicht enthalten. Hinzu kommen weitere 16 (plus 1) Kabel-Fernsehveranstalter, die in mehreren österreichischen Kabelnetzen verbreitet werden.

Die in einigen Bundesländern auffällig hohe Zahl an Veranstaltern ist durch eine hohe Dichte kleinräumiger Kabelnetze bedingt, in denen jeweils auch regionale bzw. lokale Veranstalter TV-Programme angeboten werden. Häufig bietet der Kabelnetzbetreiber selbst ein Kabel-Fernsehprogramm. Ein Anteil von ca. 20% der Programme besteht außerdem aus fix montierten Bergpanorama-Kameras, die im Wesentlichen für touristische Zwecke genutzt werden.
nach oben| Private Fernsehveranstalter Lade Tabelle
ohne ORF mit seinen TV-Programmen, die über Satellit, Kabel und Terrestrik verfügbar sind.
Stand: Juli 2014
Quelle: Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH

 
nach oben| Private Fernsehveranstalter am Satellit
Per Juli 2014 verfügten 27 TV-Veranstalter (plus 5) über Zulassungen für 37 Fernsehprogramme (plus 4). Das in Summe leichte Wachstum der Anbieter von Kabelangeboten wird also auch durch ein wachsendes Angebot an Programmen, die via Satellit verbreitet werden, ergänzt. Lineare Angebote wachsen also nach wie vor.
nach oben| Private Fernsehveranstalter mit terrestischer Verbreitung (Antennenfernsehen bzw. DVB-T/DVB-T2)
Insgesamt verfügen in Österreich 31 Programmveranstalter über Zulassungen für die digital-terrestrische Verbreitung von 33 Fernsehprogrammen. Darunter sind die Veranstalter ATV und gotv, die jeweils über drei regionale Zulassungen für die Ausstrahlung der Programme ATV II und gotv (in Wien, im Raum Innsbruck und in Bregenz) verfügen. Mit Stand Juli 2014 ist eine Gesamtzahl von 37 terrestrischen Zulassungen für 33 TV-Programme von 31 TV-Veranstaltern zu verzeichnen. Acht Zulassungen betreffen die bundesweite Programmverbreitung über die Multiplexe A, B, D, E oder F. Eine Sonderstellung nimmt hier das Programm „Schau TV“ des Zulassungsinhabers BOHMANN Druck- und Verlag ein, das zwar über MUX B, jedoch nur in Wien verbreitet wird. Für die regionale Programmverbreitung über MUX C (verschiedene Gebiete in den Bundesländern) sind 29 regionale Zulassungen für 25 Programmanbieter aufrecht.
nach oben| Audiovisuelle Mediendienste- und WebTV- (Streaming) Anbieter (Internet)
Die Zahl der Anbieter von Mediendiensten auf Abruf über das Internet beträgt laut Verzeichnis der Kommunikationsbehörde Austria 118 Anbieter zum Stand Juli 2014. Diese 118 Anbieter haben 163 Mediendienste auf Abruf angezeigt.

20 Anbieter haben 57 WebTV-Dienste (Streaming) angezeigt. Davon entfallen allein 33 Programmangebote auf den Mobilfunkbetreiber Hutchinson 3 Austria GmbH („3“) und sind nur für dessen Kunden verfügbar. Drei weitere WebTV-Dienste sind auf Kunden der T-Mobile Austria beschränkt.

Neben den Aktivitäten der Mobilfunkanbieter, die dem internationalen Trend entsprechend die Wertschöpfungskette für die exponentiell wachsenden Datenvolumen für sich nutzen wollen, stehen die am Weltmarkt relevanten Anbieter (vor allem Netflix) vor dem Markteintritt (Sommer 2014), wodurch weniger die Zahl der Anbieter betroffen ist, als vielmehr das Nutzungsverhalten der KonsumentInnen. In den USA und UK entfallen bereits deutlich mehr als 50% des Datenvolumens auf Bewegtbild.
nach oben| Förderung von Fernsehveranstaltern
Laut Eigendefinition der Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH tragen die Fördermittel des Privatrundfunkfonds sowie des Nichtkommerziellen Rundfunkfonds nachhaltig zur Stabilität des österreichischen Rundfunkmarktes (TV und Hörfunk) bei.

2013 standen im Rahmen des Privatrundfunkfonds insgesamt rund 13 Mio. Euro zur Verfügung. Zum ersten Antragstermin wurden 158 Anträge im Bereich Fernsehen gestellt. Knapp 12 Mio. Euro wurden an 43 Privatfernseh- und 43 Privathörfunkveranstalter vergeben, dabei gingen 7,8 Mio. Euro an Fernsehveranstalter.

Zum zweiten Antragstermin wurden 256 Anträge gestellt. Davon kamen 94 aus dem TV-Bereich, es wurden 1,8 Mio. Euro an Fernsehveranstalter vergeben.
nach oben| Reichweiten
Im Schnitt wurde 2013 pro Tag von 61,9% der Bevölkerung (das sind 4,47 Millionen Personen) zumindest eine Minute Fernsehen gesehen. Das ist die Definition der Tagesreichweite, die sowohl für das Medium insgesamt als auch für einzelne Anbieter gilt. Im Wettbewerb um die SeherInnen ist die Tagesreichweite alleine aber nicht aussagekräftig genug. Abgesehen von den für den Werbezeitenverkauf relevanten Größen der ZuseherInnen zu bestimmten Zeiten, in bestimmten Programmumfeldern und der Struktur der SeherInnen interessiert in einem größeren Zusammenhang vor allem der Marktanteil, also der Anteil der Fernsehzeit, die mit den unterschiedlichen Anbietern verbracht wird.

Für den ORF hat 2013 sowohl bei der Tagesreichweite als auch beim Marktanteil vor allem für ORF EINS und geringer für ORF 2 Verluste gebracht, für ORF III und ORF Sport+ aber Gewinne, wobei die Marktanteilszuwächse bei ORF Sport+ marginal bleiben. Die beiden neuen Kanäle des ORF zeichnen sich aktuell durch eine vergleichsweise hohe Frequenz aber eine geringe Verweildauer aus.

Dieses Phänomen des Auseinanderklaffens von Besuch (Reichweite) und Aufenthaltsdauer (Marktanteil) findet sich auch bei ATV2, ServusTV und gotv, auch wenn ServusTV beeindruckende Erfolge aufweisen kann.

Völlig anders stellt sich die Gesamtsituation für die in Österreich genutzten ausländischen Sender in Summe dar: Sinkende Tagesreichweiten (Besuche) stehen steigenden Marktanteilen, also wachsenden Nutzungsanteilen gegenüber. Für die in Österreich investierenden Sender, die über Fenster das Programm des Konzerns in Österreich lokal erweitern und damit in Österreich Wertschöpfung generieren, zeigen sich sowohl bei der Tagesreichweite als auch bei den Marktanteilen leichte Verluste.
nach oben| Tagesreichweiten und Marktanteile Lade Tabelle
Quelle: Teletest, AGTT