nach oben| Vorwort
Am 3. Juli 2002 fand eine parlamentarische Enquete mit dem Thema „Die Zukunft des österreichischen Films im europäischen Kontext - mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Chancen des Filmstandorts Österreich“ statt, an der neben den österreichischen Parlamentariern auch ExpertInnen aus dem Filmwesen des In- und Auslands teilnahmen. In der Zusammenfassung konstatierten die KultursprecherInnen aller im Parlament vertretenen Parteien unter Anderem unterschiedliche Informationsstände und forderten einen jährlichen Bericht über die österreichische Filmwirtschaft.

Im Oktober 2004 erschien daraufhin erstmals der "Österreichischer Filmbericht" - Die österreichische Filmwirtschaft 2001-2003". Der Bericht wurde als Eigenstudie der Triconsult- Wirtschaftsanalytische Forschungs Ges.m.b.H. erstellt, mit finanzieller Unterstützung vom Bundeskanzleramt (Staatssekretariat für Kunst und Medien), Österreichischem Filminstitut, WKÖ (Fachverband der Audiovisionsindustrie) und ORF. Ziel der Untersuchung war es, Marktdaten über die Filmproduktion in Österreich zu gewinnen, wobei eine detaillierte Darstellung der Produktionsdaten, der Wertschöpfung und der Beschäftigungsdaten im Mittelpunkt stand.

Mit der Novellierung des Filmförderungsgesetzes 2004/2005 wurde die Erstellung eines jährlichen Filmwirtschaftsberichtes auch gesetzlich verankert und dem Österreichischen Filminstitut übertragen. Der Gesetzgeber hat dem Filminstitut bei der Erstellung des Berichtes inhaltliche und gestalterische Autonomie eingeräumt. Diese Freiheit ist allerdings auch mit dem Nachteil verbunden, dass keine verbindlichen Regelungen und Vorschriften erlassen wurden, die einzelne Einrichtungen/Institutionen dazu verpflichten, Datenmaterial in einer bestimmten Form zur Verfügung zu stellen. Das AutorInnenteam steht daher jährlich vor der Herausforderung, stabile Partnerschaften zu erhalten und auszubauen, um langfristig vergleichbare Datenqualität dynamisch sicherstellen zu können.

Der erste Filmwirtschaftsbericht, Facts + Figures, den das Österreichische Filminstitut veröffentlicht hat, erschien 2006 und umfasste die Daten für das Jahr 2004. Der Bericht war im Wesentlichen eine Bestandsaufnahme der zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Daten. Seit 2007 wird der Bericht jeweils im letzten Quartal des Jahres mit Schwerpunkt auf dem vorangegangenen Jahr und der Darstellung der Entwicklung wichtiger Eckdaten über vier Jahre hinweg publiziert.

Durch Initiativen seitens des AutorInnenteams und der inhaltlichen und finanziellen Mithilfe vor allem des Fachverbands der Film- und Musikindustrie, aber auch des Fachverbands der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter, konnte die Datenqualität seit dem ersten Bericht qualitativ und quantitativ deutlich gesteigert und dadurch auch wichtige Schritte zur Vereinheitlichung gesetzt werden.

Der Bericht für das Jahr 2012 bildet die kontinuierlichen Erweiterungen und Vertiefungen nun auch in einem neuen inhaltlichen und formalen Konzept ab. Die in den bisherigen Berichten unter "Verwertung" zusammengefassten Themenbereiche Kino, Fernsehen und die "tertiäre Verwertung" (der Verkauf und Verleih von DVDs bzw. Blu-Rays und der Download und das Streamen von Filmen) werden in einzelnen Kapiteln behandelt.

Diese Aufgliederung der einzelnen Stufen der Filmauswertung berücksichtigt aktuelle Entwicklungen, so zum Beispiel dass Kinoproduktionen bisweilen nicht mehr die komplette Kaskade (Kino, DVD und Fernsehen) durchlaufen. Auch wenn die Datenlage in diesem Bereich teilweise noch dünn ist, beabsichtigen wir, neue digitale Verbreitungsformen in Zukunft noch stärker zu berücksichtigen.

Diese Aufgliederung bietet auch die Möglichkeit, die einzelnen Auswertungsebenen von Filmen näher zu betrachten und Entwicklungen der Anbieter von audiovisuellen Inhalten (Kinos, Fernsehveranstalter, Vertriebsplattformen etc.) im Detail darzustellen.


Filmwirtschaft
Mit der Leistungs- und Strukturstatistik von Statistik Austria steht seit 2008 eine fundierte und verlässliche Quelle für die Betrachtung und Analyse der österreichischen Filmwirtschaft zur Verfügung. Die Angaben reichen dabei von der Anzahl der Beschäftigten bis hin zu Umsätzen und der Bruttowertschöpfung, auch wenn diese Daten aufgrund der Erhebungsvorgaben gegenüber den anderen Daten im Bericht um ein Jahr zurückliegen. Dabei zeigt sich, dass es lange Vorläufe braucht, bis vergleichbare Datenreihen über mehrere Jahre zur Verfügung stehen. Erst 2012 kann ein Längsschnitt von vier Jahren für die "Filmwirtschaft" abgebildet werden. So zeigt sich etwa im Überblick, dass die Filmwirtschaft in dem Zeitraum von vier Jahren 134 Mio. Euro Umsatzzuwächse erzielt hat, die Anzahl der Videotheken von 246 im Jahr 2008 auf 162 im Jahr 2011 und die Anzahl der Kinounternehmen von 123 auf 103 zurückgegangen ist.

Kino
Im Bereich der Verwertung von Kinofilmen konnten durch die Zusammenarbeit mit Rentrak erstmals ausführliche und filmspezifische Besuchszahlen veröffentlicht und analysiert werden und auch die Besuche österreichischer Kinofilme im Ausland kontinuierlich erfasst werden. Wurden in den vergangenen Jahren die Kinostarts im Ausland und damit die Auslandsverwertung lediglich für die wichtigsten europäischen Märkte dargestellt, so zeigt der aktuelle Bericht Erstaufführungen in 18 Ländern (auch außerhalb Europas) mit insgesamt 3,8 Millionen Besuchen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt Statistik der Schweiz stehen überdies auch die Besuchszahlen österreichischer Filme in der Schweiz zur Verfügung.

Festzuhalten bleibt, dass es in Österreich kein verbindliches Meldesystem für Besuchszahlen gibt, das es ermöglicht, die Besuche zu überprüfen und Kriterien der Meldung zu definieren.

Die Kinos in Österreich zeigen seit 2004 relativ stabile Besuchszahlen mit Schwankungen von etwa 3 Millionen, abhängig vom Filmangebot, das seit 2004 von insgesamt 280 gezeigten Filmen auf 413 Filme im Jahr 2012 gestiegen ist.

Seit Facts + Figures 05 wurden nicht nur die Kinodaten, sondern auch die Daten zum Besuchsverhalten im Kino und die Struktur der KinobesucherInnen erfasst, die aus der österreichischen Media-Analyse stammen. Die Daten werden jedoch in dieser Form von der Media-Analyse nicht mehr erhoben. Durch eine neu etablierte Partnerschaft mit cinecom, einem Vermarkter von Werbezeiten im Kino, konnte dieses Manko ausgeglichen werden. cinecom beauftragt seit 2011 eine repräsentative Mediengattungsstudie (cine:ma), deren Daten nun die Grundlage für die Entwicklung der Kinobesuche und die Beschreibung der KinobesucherInnen bilden.

Die Besuchsfrequenz sinkt mit dem Alter. Traditionell gehen anteilig etwas mehr Männer - und das häufiger - ins Kino als Frauen. 2012 sind 52% der KinobesucherInnen männlich und sehen im Schnitt vier Filme im Kino, Frauen mit 3,3 Besuchen pro Jahr. Das Durchschnittsalter der KinobesucherInnen in Österreich liegt nun bei 37, 2005 war es noch 30 Jahre.

BLU-RAY + DVD, EST + VOD
Seit dem Filmwirtschaftsbericht für das Jahr 2010 kann das Österreichische Filminstitut auch für Österreich verlässliche Daten für den Verkaufsmarkt von DVDs und Blu-Rays vorlegen. Durch eine Zusammenarbeit mit mediacontrol GfK International werden nun das dritte Jahr die Daten für die Umsätze mit DVDs und Blu-Rays detailliert dargestellt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Blu-Ray Absätze gegenüber dem Jahr 2011 gestiegen sind (+ 20%), das Gesamtvolumen bei den physischen Bild-Ton-Trägern mit einen Gesamtumsatz von 187,5 Mio. Euro und 14,5 Millionen Einheiten gegenüber 2010 gesunken ist (196,3 Mio. Euro bei 14,8 Millionen Einheiten).

Internationale Filmfestivals und Preise
Der Bericht für 2012 widmet sich eingehender als bisher den österreichischen Filmfestivals und Filmpreisen, aber auch den internationalen Festivalteilnahmen.

Förderungen + Finanzierungen
Seit der ersten Publikation "Filmfinanzierung und Filmförderung in Österreich" im Oktober 2003 veröffentlicht das Österreichische Filminstitut jährlich Zahlen und Fakten zu den österreichischen Förderstellen. In Österreich sind auf nationaler Ebene vier Förderstellen tätig, hinzukommen die Filmfinanzierung des ORF und insgesamt 14 Einrichtungen in den neun Bundesländern, die kontinuierlich Filmförderung betreiben. Nach der Prüfung der Förderstellen durch den Rechnungshof wurde das Kapitel "Förderungen + Finanzierungen" auch um die Auszahlungen der Förderstellen in den Kulturabteilungen erweitert, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht in dieser Detailtiefe berücksichtigt werden konnten. Damit kann nun die Bedeutung der österreichischen Förderstellen für die Filmwirtschaft umfassend und transparent dokumentiert werden.

Wegen der Vergleichbarkeit im Längsschnitt wurde der Fokus auf die Herstellung gelegt. Für F+F 12 konnten aber auch Details für den Förderbereich „Sonstige Förderungen“ erfasst werden, wie zum Beispiel die Auszahlungen für österreichische Filmfestivals und Kinoförderungen. Ein weiterer Themenkreis widmet sich in diesem Jahr erstmals auch gezielt der Nachwuchsförderung.

Um die Filmförderung in Österreich auch in Zukunft umfassend und transparent darstellen zu können, wäre jedoch der Aufbau einer eignen Filmdatenbank bzw. Transparenzdatenbank erforderlich. Damit könnten nicht nur die Auszahlungen, sondern auch die Zusagen kontinuierlich erfasst und institutsübergreifende Daten nach einem einheitlichen Schema dargestellt werden. In ihrer jüngsten Kinomitteilung (November 2013) definiert die Europäische Kommission, dass "die Mitgliedstaaten auf einer einzigen Website, die unter Umständen Informationen von mehreren anderen Websites abruft, mindestens die folgenden Informationen zu veröffentlichen haben: den vollständigen Wortlaut der genehmigten Beihilferegelung und ihre Durchführungsbestimmungen, den Namen des Beihilfeempfängers, die Bezeichnung und die Art der geförderten Tätigkeit bzw. des geförderten Vorhabens, die Höhe der Beihilfe sowie die Beihilfenintensität als Anteil am Gesamtbudget der geförderten Tätigkeit bzw. des geförderten Vorhabens."

Europäisches Kinoumfeld
Für die Zusammenstellung des Kapitels Europäisches Kinoumfeld arbeitet das Österreichische Filminstitut eng mit der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle zusammen. Der Zweck der Informationsstelle ist die Förderung des Informationsflusses innerhalb der audiovisuellen Industrie Europas sowie der Überblick über den Markt und die Transparenz. Mit Hilfe eines KorrespondentInnennetzwerkes (EFARN), dem auch das Österreichische Filminstitut angehört, entstehen die jährlichen Berichte des Observatorium und Studien wie z.B. die 2011 erschienene Publikation "Öffentliche Förderungen von Film- und Fernsehwerken in Europa". Diese Zusammenarbeit ermöglicht es auch, die österreichische Filmwirtschaft in einem, dem europäischen Standard entsprechenden Rahmen darzustellen.

10 Berichte - 12 Jahre
Nach 10 Berichten, die 12 Jahre österreichischer Filmwirtschaft abbilden, konnte mittlerweile ein qualitativ hoher Industriestandard entwickelt werden. Die Berichte werden im In- und Ausland als Quelle herangezogen und sind Grundlage für Analysen zur Filmwirtschaft und zahlreiche Studien.

Das AutorInnenteam fühlt sich diesem Standard verpflichtet und ist weiterhin bemüht, neue Quellen und Partnerschaften zu suchen, um den Filmwirtschaftsbericht genauso dynamisch zu entwickeln, wie es die Filmwirtschaft selbst ist.