nach oben| Blu-Ray + DVD, EST + VoD
  • Physische Bild- und Tonträger erreichen 2012 in Österreich mit 14,5 Millionen Stück einen Umsatz von 187,5 Mio. Euro, dies bedeutet einen Rückgang von 1,7% gegenüber 2011.
  • Der Umsatzrückgang entspricht den internationalen Entwicklungen.
  • Die seit einigen Jahren wachsende Bedeutung von elektronischen Vertriebsformen führte in den USA (28% der Haushalte nutzen VoD) zu einer Trendwende der Umsatzentwicklung.
  • Deutschland (4% der Haushalte nutzen VoD) hat durch deutlich wachsende digitale Verleihumsätze das zweitbeste Ergebnis der Geschichte erzielt und im digitalen Vertrieb mehr als 100 Mio. Euro umgesetzt.


Eine Betrachtung des Home Entertainment Marktes muss durch die rasche Entwicklung der genutzten Technologien heute viel breiter analysiert werden, als noch vor wenigen Jahren. Die Fokussierung auf verkaufte physische Bild-Ton-Träger bzw. auf Videotheken greift heute deutlich zu kurz, da elektronische Vertriebsformen die Verluste aus herkömmlichen Absatzkanälen teilweise bereits mehr als kompensieren können.

Die elektronischen Vertriebskanäle dienen sowohl als Basis für Verkauf als auch Verleih. Der elektronische Verkauf von Filmen (auch als EST - Electronic Sell Through bezeichnet) umfasst das Streamen, vor allem aber Downloaden mit der Möglichkeit, das Material zeitlich beschränkt oder unbeschränkt (in einigen Fällen auch mit der Option, eine DVD zu brennen) privat zu nutzen. Für jede dieser Varianten gibt es mittlerweile einige Anbieter. Für die Miete von Filmen haben sich bis jetzt zwei Modelle herausgebildet: T-VoD und S-VoD. Bei Transactional Video on Demand wird für eine definierte Nutzungsdauer von einigen Stunden die Möglichkeit geboten, einen Film zu sehen, die Bezahlung erfolgt pro Film. Bei Subscription Video on Demand wird für eine monatliche Fixgebühr der Zugriff auf ein Repertoire an Filmen ermöglicht. Eine Sonderform stellen werbefinanzierte Portale dar, die vom User kein Geld verlangen.

Dirk Martens und Jan Herfert von „House of Research“ konstatieren für Deutschland einen Umsatz von 124 Mio. Euro im Jahr 2012 und damit einen Anteil von 7,2% des Gesamtumsatzes des Home Video Marktes von 1,7 Mrd. Euro für VoD, wobei allerdings die Einnahmen mit dem Verkauf und Verleih von DVDs zwischen 2005 und 2012 um rund 20% zurückgegangen sind, während Blu-Ray und VoD Angebote seitdem einen starken Zuwachs zeigen. Dabei ist aber zu beachten, dass nur 4% der deutschen Haushalte Video on Demand nutzen, im Gegensatz zu 28% der US Haushalte. Die Autoren gehen für Deutschland von einer Umsatzsteigerung von rund 120 Mio. Euro im Jahr 2012 auf knapp 440 Mio. Euro im Jahr 2017 aus, wovon rund ein Drittel auf S-VoD entfallen soll, der Rest auf EST und T-VoD.

Nach fünf Jahren kontinuierlich sinkender Umsätze mit DVDs bzw. allen elektronischen Vertriebsformen hat laut DEG (Digital Entertainment Group, eine von der Industrie finanzierte Non-Profit-Organisation zur Förderungen von Home Entertainment) der Umsatz in den USA - mit einem kleinen Zuwachs auf 18 Mrd. USD - das erste Mal wieder Wachstum erzielt. Physische Bild-Ton-Träger haben allerdings gemeinsam erneut um 5,5% verloren, der Gesamtumsatz erreichte 2012 8,46 Mrd. USD. Unter Berücksichtigung von VoD, vor allem aber EST (Electronic Sell-Through, plus 36%), Streaming und anderen elektronischen Vertriebsformen (zusammen plus 28%) zeichnet sich aber eine Trendumkehr auf dem US-Markt ab. Der Anteil digital verkaufter Inhalte ist innerhalb eines Jahres von 19% auf fast 30% angestiegen. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass die Industrie Player und Spielekonsolen mit Blu-Ray Eignung und (mit steigenden Zahlen) HDTV Geräte in großer Zahl verkauft. Unterstützt wird diese Entwicklung nicht zuletzt durch den Erfolg der Ultra Violet Initiative von neun Majors, die gemeinsam die Zahl der Abonnements um mehr als 100% in einem Jahr steigern konnten (Quelle: DEG, 8.1.2013).

Die Entwicklungen in den USA machen deutlich, dass diese Verwertungsform, nur durch die Gesamtheit der Verwertungskaskade (Verkauf, Verleih und Download) sinnvoll betrachtet werden kann, da die neuen Technologien eher die unmittelbar davor eingeführten verdrängen und nicht die schon länger am Markt eingeführten bzw. bereits neu definierten, wie etwa das Kino.

Auch im Vereinigten Königreich hat 2012 ein massiver Zuwachs von digital verkauften Inhalten (plus 49%) zu einer Marktstabilisierung beigetragen. Der Umsatz von VoD und Streaming erreichte in UK 2012 eine halbe Milliarde Pfund bei Gesamtumsätzen von 2,3 Mrd. Pfund für Video und damit einen Anteil von etwa 22%. Der Absatz physischer Bild-Ton-Träger dominiert aber nach wie vor, wobei der Blu-Ray Anteil die treibende Kraft darstellt und vor allem bei den Top-Sellern mittlerweile fast 30% der Umsätze ausmacht (Quelle: BVA, The British Video Association, 2.8.2013).

In Deutschland haben die Ausgaben für Kino und Video 2012 ein neues Rekordniveau erreicht und sind seit dem Jahr 2000 um knapp 1 Mrd. Euro angestiegen. Der Home Video Markt erreicht das zweitbeste Umsatzergebnis seiner Geschichte. Leicht rückläufige Kaufumsätze werden durch wachsende digitale Verleihumsätze kompensiert, auch wenn Kauf und Verleih von physischen Bild-Ton-Trägern mit 93% Umsatzanteil nach wie vor dominieren, kann der digitale Vertrieb erstmals die Grenze von 100 Mio. Euro Umsatz durchbrechen. Der digitale Vertrieb verlagert sich dabei zunehmend in Richtung Verleih. Daneben ist es vor allem der ungebremste Erfolg von Blu-Ray (23% Marktanteil), der den Markt antreibt (Quelle: BVV, GFK, 2013).

Seit dem Filmwirtschaftsbericht für das Jahr 2010 kann das Österreichische Filminstitut auch für Österreich verlässliche Daten für den Verkaufsmarkt von DVDs und Blu-Rays vorlegen. Durch eine Zusammenarbeit mit mediacontrol GfK International können nun das dritte Jahr in Folge die Daten für die Umsätze mit DVDs und Blu-Rays detailliert dargestellt werden. Die österreichischen Ergebnisse zeigen, dass auch hier die Blu-Ray Absätze gestiegen sind (plus 20%), aber auch hier die Effekte des rückgängigen Gesamtumsatzes an physischen Bild-Ton-Trägern zum Tragen kommen. Lag 2011 das Gesamtvolumen aus DVD und Blu-Ray Verkäufen bei 14,7 Millionen Einheiten und einem Gesamtumsatz von 190,7 Mio. Euro, so sind es im Jahre 2012 14,5 Millionen Einheiten, die einen Gesamtumsatz von 187,5 Mio. Euro ausmachen. 2010 waren es noch 196,3 Mio. Euro.
nach oben| Blu-Ray + DVD
Die beliebtesten DVD Genres der ÖsterreicherInnen sind wie auch im letzten Jahr Komödie, Unterhaltung und Action, die gemeinsam deutlich mehr als die Hälfte aller verkauften Titel ausmachen. Die Vorlieben unterscheiden sich allerdings zwischen DVD und Blu-Ray. Während bei der DVD Komödie und Unterhaltung deutlich vor Action liegen, führt Action bei Blu-Ray klar vor Komödie und Thriller. Unterhaltung liegt bei diesem Format erst auf dem vierten Rang.
nach oben| Blu-Ray 2010-2012 Lade Tabelle
Quelle: media control GFK INTERNATIONAL
 
nach oben| DVD 2010-2012 Lade Tabelle
Quelle: media control GFK INTERNATIONAL
 
nach oben| Blu-Ray Verkauf Lade Tabelle
Quelle: media control GFK INTERNATIONAL
 
nach oben| DVD Verkauf Lade Tabelle
Quelle: media control GFK INTERNATIONAL
 
nach oben| Flimmit
In Österreich hat sich mit Flimmit 2010 ein VoD Anbieter etabliert. Flimmit hatte im Dezember 2012 1.111 Filme aus 49 Ländern (22 verschiedene Sprachen) im Angebot. 75% davon sind europäischer Herkunft. Der österreichische Katalog umfasst 31% des Angebots. 84% des Angebots sind Spielfilme, 11% Dokumentarfilme und sonstige Filme machen 5% aus. Flimmit wird von mehreren Geldgebern subventioniert, etwa der Stadt Wien mit „Departure“, dem MEDIA Programm der EU aber auch dem Österreichischen Filminstitut.