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Der Filmwirtschaftsbericht erfüllt alljährlich die Aufgabe ausführliche wirtschaftliche Daten, die nicht nur für strategische filmpolitische Maßnahmen, sondern auch für unternehmerische Einzelentscheidungen relevant sind, zu liefern.

Jahr für Jahr setzen die AutorInnen Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität und der Nutzbarkeit.

FILMWIRTSCHAFT
Die Filmwirtschaft umfasst die Filmherstellung (in Form von Auftrags- und Eigenproduktion), Kinounternehmen, die Nachbearbeitung und sonstige Filmtechnik, Filmverleih und -vertrieb sowie Videotheken.

Gesamtumsatz. Die Filmwirtschaft erreichte im Jahr 2010 1/ einen Gesamtumsatz von über 796 Millionen Euro. Von den Umsätzen entfallen 50,2% auf die Produktion von Kino- und TV-Filmen und 11,3% auf Filmverleih und -vertrieb. Kinounternehmen erreichen 21,9% des gesamten Branchenumsatzes. Im Vergleich zu 2009 können Produktionsunternehmen Umsätze gewinnen (+20,6%), Videotheken verlieren (-5,6%).

Unternehmen. Wie im Jahr 2009 umfasst die Filmbranche 2.180 Unternehmen. Die Zahl der Unternehmen im Bereich Werbefilm und Nachbearbeitung ist gestiegen, Kinounternehmen, Filmverleih und Videotheken haben erneut Rückgänge von bis zu 8,5% zu verzeichnen.
1/ Leistungs- und Strukturstatistik 2010

Beschäftigte. 6.939 Personen sind in der Filmwirtschaft tätig, davon 4.869 unselbständig.

ORF-Vergabevolumen. 2011 erreicht das Vergabevolumen des ORF (ohne die Mittel für das Film/Fernseh-Abkommen) 99,4 Mio. Euro, ein Plus von 6,1% gegenüber 2010. Der ORF hat damit zentrale Bedeutung für die heimischen Produktionsunternehmen. Innerhalb der vom ORF direkt beauftragten Unternehmen gingen rund 95% des Vergabevolumens an 35 ProduzentInnen, 80 Firmen teilten sich 5% des Vergabevolumens. Das Vergabevolumen für Serie liegt bei 34,4 Mio. Euro, das für Film bei 13,2 Mio. Euro. Deutlich gewonnen hat 2011 „Dokumentation, Magazin, Sonstige“ mit 16,4 Mio. Euro.

VERWERTUNG
Die Verwertung von Kinofilmen erfolgt in mehreren Schritten: Dem Kinoeinsatz folgt der Verkauf bzw. die Vermietung als Bildträger (DVD, Blu-ray, Video on Demand), danach die Verwertung über Pay-Per-View, Pay-TV und letztlich Free-TV.

Kinostruktur. 393 der insgesamt 577 Kinosäle in Österreich sind digitalisiert, das entspricht 68%. Österreich liegt damit im europäischen Spitzenfeld.

Kinobesuche. Mit knapp 15,8 Millionen verkauften Kinokarten (Quelle: Rentrak) kommt es erneut zum einem Rückgang. Das Minus beträgt 4,2% gegenüber 2010 (16,5 Millionen Besuche). Die Anzahl der gezeigten Filme erreicht 364. Die erfolgreichsten Filme des Jahres 2011 sind „Hangover 2“, „Harry Potter 8 - Die Heiligtümer des Todes (Teil 2)“ und „Pirates of the Caribbean 4 - Fremde Gezeiten“.

KinobesucherIn. Kinofilme sprechen nicht mehr ein vorwiegend junges Publikum an (unter 30 Jahren), sondern auch eine Zielgruppe, die alle Altersgruppen (von 14 bis 60) umfasst. Knapp die Hälfte aller Kinobesuche entfällt auf über 30 Jährige. Ab dem kommenden Filmwirtschaftsbericht kann die Information zur Zusammensetzung des Publikums im Kino nicht mehr geliefert werden, da die Mediaanalyse den Kinobesuch nicht mehr erfasst und eine andere Datenquelle nicht zur Verfügung steht.

Verleih. Die sechs umsatzstärksten Verleihfirmen sind - bis auf die Constantin Film - Tochterfirmen großer US-amerikanischer Verleihe. Sie erzielen bei den Kinobesuchen zusammen einen Marktanteil von rund 84% und verliehen 132 (mehr als ein Drittel) der insgesamt 364 gezeigten Filme. Insgesamt konnten nur zwölf Verleihfirmen jeweils mehr als 1% der Besuchsanteile realisieren.

Erstaufführungen. Die Anzahl der erstaufgeführten Filme hat ein neues Niveau erreicht (318 gegenüber 310). 120 stammten aus den USA, 51 aus Deutschland. Aufgrund der Dominanz des USamerikanischen Films durch die Filmanzahl und Themenvorgaben bleibt für den europäischen und damit auch österreichischen Kinofilm ein sehr beschränkter heimischer Markt. Europäische Filme erreichen einen Marktanteil von knapp 23%.

Ö Filme im Kino. 2011 erzielen österreichische Filme einen Marktanteil von 3,6%. Innerhalb des europäischen Films einen Marktanteil von 17,1%. Der erfolgreichste Ö Film 2011 ist die Koproduktion „Hexe Lilli: Die Reise nach Mandolan“ (Rang 39 in den Top 50) mit über 115.000 verkauften Kinokarten.

Blu-ray und DVD Verwertung. Nach Angaben der media control GfK INTERNATIONAL wurden 2011 in Österreich 14,8 Millionen DVDs und Blu-rays verkauft. Die Gesamtumsätze belaufen sich auf 190,7 Mio. Euro.

Ö Filme im ORF. Im Jahr 2011 wurden im ORF 54 geförderte österreichische Spiel- und Dokumentarfilme (Kinofilme) gezeigt. „Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte“, 2010 für den Auslands-Oscar nominiert, erreichte bei der Erstausstrahlung knapp 720.000 ZuseherInnen. Die Ausstrahlung österreichischer Filme im Free-TV ist insbesondere für den nationalen Markt und die dadurch erzeugte öffentliche Wahrnehmung von besonderer Bedeutung.

FILMPREISE
Österreichische Kinofilme sorgten auch 2011 für viel Aufmerksamkeit auf internationalen Festivals. „Atmen“, der Regie-Erstling von Karl Markovics, hatte seine Weltpremiere im Rahmen der Quinzaine des Réalisateurs des Filmfestivals von Cannes. Auch „Michael“, der Regie-Erstling von Markus Schleinzer, schaffte es in den Wettbewerb dieses bedeutenden Filmfestivals. In Venedig wurde Michael Glawogger mit dem Regiepreis „Special Orizzonti Jury Prize“ für seinen Dokumentarfilm „Whores‘ Glory“ ausgezeichnet. Bei den Fernsehfilmen setzte sich der Erfolg der Universum-Reihe der letzten Jahre fort. Bei den internationalen Wirtschaftsfilmfestivals erreichten vor allem die Tourismusfilme eine Vielzahl an Preisen und auf dem Werbefilmfestival von
Portorož ging erneut ein „Golden Drum“ an Österreich.

FÖRDERUNGEN UND FINANZIERUNGEN
Nationale Förderung. Förderung des Kinofilms nach wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten durch das Österreichische Filminstitut und Förderung des Fernsehfilms durch den FERNSEHFONDS AUSTRIA; das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur fördert den künstlerischen, innovativen Film. Ab dem Jahr 2010 erfolgt die Kinofilmförderung auch durch den neu eingerichteten Filmstandort Austria, eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend.

Ergänzt wird die Filmförderung des Bundes durch eine Filmfinanzierung des Österreichischen Rundfunks auf der Grundlage des zwischen Filminstitut und ORF vereinbarten Film/Fernseh-Abkommens.

Regionale Förderung. In den meisten Bundesländern existieren Filmförderungen mit Schwerpunkt der Herstellungsförderung unter kulturellem Regionalbezug und wirtschaftlichen Regionaleffekten. Je nach Bundesland und Ausrichtung sind die Förderstellen eigenständige Einrichtungen, wie z.B. der Filmfonds Wien, und/oder den Kultur- bzw. Wirtschaftsabteilungen der Landesregierungen zugeordnet.

Auszahlungen. Die 19 Förderinstitutionen zahlten 2011 insgesamt knapp 67 Millionen Euro aus. Die größten Summen leisteten das Österreichische Filminstitut, der FERNSEHFONDS AUSTRIA, der Filmfonds Wien und der ORF mit dem Film/Fernseh-Abkommen.

Die Auszahlungen des Bundes belaufen sich auf rund 44,5 Mio. Euro (inklusive des ORF mit dem Film/Fernseh-Abkommen). Die Auszahlungen der Länderförderstellen betragen 22,5 Mio. Euro.

FILMFÖRDERUNG IN EUROPA
MEDIA
Die Förderbereiche von MEDIA, dem Förderprogramm der Europäischen Union zur Unterstützung der audiovisuellen Industrie in Europa liegen u.a. in den Bereichen Verleih und Vertrieb, Projektentwicklung, Promotion und Fortbildung. 2011 wurden aus dem MEDIA Programm in Österreich 2,3 Mio. Euro vergeben, wie auch in den Jahren zuvor zum größten Teil (44,5%) für die automatische Verleihförderung. Mit über 110.000 Euro wurde zusätzlich der Vertrieb von zwei österreichischen Filmen (Koproduktionen) in 13 Ländern unterstützt.

EURIMAGES Europäischer Koproduktionsfonds
2011 betrug der österreichische Mitgliedsbeitrag für EURIMAGES 488.641 Euro, 2,14% der Beitragszahlungen aller 36 Mitgliedsländer. Einem Film mit österreichischer Beteiligung wurde eine Förderung in Höhe von 600.000 Euro zugesagt.

DAS EUROPÄISCHE UMFELD
Die Zahl der Kinobesuche blieb mit geschätzten 962 Millionen verkauften Karten relativ stabil. Der europäische Film erzielte 2011 einen Marktanteil von 28,5%, den höchsten Besuchsanteil seit 2008. Die europäische Kinolandschaft war erneut von Blockbustern geprägt. An der Spitze der europäischen Charts stehen drei Fortsetzungen: „Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2“, „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ und „The Twilight Saga: Breaking Dawn - Part 1“. Die erfolgreichsten rein europäischen Filme sind die französischen Komödien „Ziemlich beste Freunde“ und „Nichts zu verzollen“. Mit 1.285 Kinofilmen erreichte die Europäische Union erneut einen Zuwachs an Filmproduktionen (ein Plus von 59 Filmen).