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Die Druckversion der Filmwirtschaftsberichte:
Filmwirtschaftsbericht

Filmpolitik ist ohne Information undenkbar.

Der Filmwirtschaftsbericht erfüllt alljährlich die Aufgabe, ausführliche wirtschaftliche Daten, die nicht nur für strategische filmpolitische Maßnahmen, sondern auch für unternehmerische Einzelentscheidungen relevant sind, zu liefern.
Jahr für Jahr werden Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität und auch der Nutzbarkeit gesetzt. Für den Filmwirtschaftsbericht 2011, F+F 10 stehen für die Verbreitung der Filme mit den Daten der media control GfK International erstmals detailliertere Betrachtungen zur DVD Verwertung zur Verfügung.


FILMWIRTSCHAFT
Die Filmwirtschaft umfasst die Filmherstellung (in Form von Auftrags- und Eigenproduktion), Kinounternehmen, die Nachbearbeitung und sonstige Filmtechnik, Filmverleih und -vertrieb sowie Videotheken. Durch die nun zum zweiten Mal verwendete Leistungs- und Strukturerhebung der Statistik Austria können die Daten für 2009 detailliert dargestellt und Entwicklungen ab 2008 aufgezeigt werden.

Der Gesamtumsatz der Filmwirtschaft erreichte im Jahr 2009 knapp 697 Millionen Euro. Von den Umsätzen entfallen 46,8% auf die Produktion von Kino- und Fernsehfilmen und 10,9% auf Filmverleih und -vertrieb. Kinounternehmen erreichen 24,4% des gesamten Branchenumsatzes. Im Vergleich zu 2008 müssen die Produktionsunternehmen, vor allem Werbe- und WirtschaftsfilmherstellerInnen erhebliche Umsatzrückgänge (von bis zu 16%) hinnehmen, während Kinounternehmen und Filmverleih und -vertrieb durch die hohe Anzahl der Kinobesuche 2009 deutlich an Umsatz gewinnen können.

Die Filmbranche umfasst 2.180 Unternehmen. Gegenüber 2008 bedeutet dies eine Zunahme der Unternehmen von 0,7%. Im Bereich der Kino- und TV-Filmproduktion sind es 5% mehr (vor allem durch eine weitere Zunahme der Ein-Personen-Unternehmen), Nachbearbeitung, Kino, Filmverleih und Videotheken haben hingegen Rückgänge von bis zu 9% zu verzeichnen. 6.880 MitarbeiterInnen, 4.809 davon unselbständig, sind in der Filmwirtschaft tätig.

Nach wie vor steigt die Anzahl der Fernsehveranstalter und erreicht die Summe von 127. Während die Zahl der Satellitensender in Österreich stagniert, nimmt die Digitalisierung terrestrischer Sender weiter zu. 2010 gibt es nur mehr drei analoge terrestrische Programme, die digital terrestrisch verbreiteten Programme belaufen sich hingegen auf 68.
Auf Basis der Meldungen der Fernsehveranstalter ergibt sich ein Vergabevolumen (inkl. Teamanmietungen und im Fall des ORF der Beiträge zum Film/Fernseh-Abkommen) in der Höhe von zumindest 130 Millionen Euro.
Der mit Abstand größte Teil entfällt auf den ORF, der damit von zentraler Bedeutung für die Branche ist. Innerhalb der vom ORF direkt beauftragten Unternehmen ohne Film/Fernseh-Abkommen gingen rund 95% des Vergabevolumens an 34 ProduzentInnen, 70 Firmen teilten sich 5%. Das Vergabevolumen für „Show“ liegt bei 30,8 Mio. Euro, das der Serie bei 27,2 Mio. Euro. Deutlich gewonnen haben 2010 der Film mit 23,3 Mio. Euro und „Dokumentation, Magazin, Sonstige“ mit 12,3 Mio. Euro. Diese Steigerung des Vergabevolumens ist vor allem angesichts der deutlich steigenden Fördervolumina (+8,9 Mio. Euro, davon zusätzlich fünf Millionen Euro durch den FERNSEHFONDS AUSTRIA) bemerkenswert.


VERWERTUNG
Kinostruktur. 299 der insgesamt 584 Kinosäle sind digitalisiert, damit sind über die Hälfte der Kinosäle auf die neue Technologie umgerüstet. Das ist im internationalen Vergleich ein hoher Standard.

Kinobesuche. Mit 16,5 Millionen Besuchen (Quelle: Rentrak) müssen die Kinos Einbußen von 9% gegenüber dem guten Jahr 2009 hinnehmen.

Verleih. Die sechs umsatzstärksten Verleihfirmen sind - bis auf die Constantin Film - Tochterfirmen großer US-amerikanischer Verleihe. Sie erzielen bei den Kinobesuchen zusammen einen Marktanteil von 83% und verliehen 143 (ein Drittel) der insgesamt 425 gezeigten Filme.

Ö Filme im Kino. 57 österreichische Filme (das entspricht einem Anteil von 13% des Angebots) konnten 2010 bei den Besuchen einen Marktanteil von 5,1% erzielen, innerhalb des europäischen Films sogar einen Marktanteil von 26,1%. Die erfolgreichste österreichische Produktion 2010 war die Komödie „Die unglaubliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ (Rang 19 in den Top 50) mit über 195.000 verkauften Kinokarten (insgesamt über 217.000 Besuche). Sehr erfolgreich war der österreichische Film in der Auslandsverwertung mit drei Millionen Besuchen.

Erstaufführungen. 2010 wurden insgesamt 310 Filme erstaufgeführt, davon 37 österreichische Filme (Quelle: Rentrak). 119 Filme stammten aus den USA, 45 aus Deutschland.

Kinobesuche. KinobesucherInnen verteilen sich zunehmend auf alle Altersgruppen wobei die 20-29-Jährigen die meisten Kinokarten kaufen und die 20- bis 39-Jährigen mittlerweile die Hälfte aller KinobesucherInnen stellen.

DVD-Verwertung. Für den Verkauf von DVDs liegen erstmals detaillierte Daten vor. Nach Angaben der media control GfK International wurden 2010 in Österreich 13,1 Mio. DVDs und 1,7 Mio. Blue Rays verkauft. Die Gesamtumsätze belaufen sich auf 186,3 Mio. Euro.

Österreichische Filme im ORF. Im Jahr 2010 wurden im ORF insgesamt 37 geförderte österreichische Kinofilme gezeigt, davon 12 Erstausstrahlungen. „Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga“ erreichte bei der Erstausstrahlung knapp 780.000 ZuseherInnen.


FILMPREISE
Österreich ist mit dem Kinofilm „Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte“ von Michael Haneke/Wega Film zum dritten Mal in Folge für den „Auslands-Oscar“ nominiert worden. „Steiermark - Das grüne Herz Österreichs“ ist weltbester Tourismusfilm des Jahres 2010. Österreichische Werbefilme erhalten in Portorož „Gold“ und Silber.


FÖRDERUNGEN UND FINANZIERUNGEN
Filmförderung des Bundes. Die Förderung des Kinofilms nach wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten erfolgt durch das Österreichische Filminstitut, die Förderung des Fernsehfilms durch den FERNSEHFONDS AUSTRIA; das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur fördert den künstlerischen - innovativen Film. Seit dem Jahr 2010 fördert auch der Filmstandort Austria, eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend den Kinofilm.
Ergänzt wird die Filmförderung des Bundes durch eine Filmfinanzierung des Österreichischen Rundfunks auf der Grundlage des zwischen Filminstitut und ORF vereinbarten Film/ Fernseh-Abkommens.

Filmförderung der Länder. In den meisten Bundesländern existieren Filmförderungen mit Schwerpunkt der Herstellungsförderung unter kulturellem Regionalbezug und wirtschaftlichen Regionaleffekten. Je nach Bundesland und Ausrichtung sind die Förderstellen eigenständige Einrichtungen, wie z.B. der Filmfonds Wien, und/oder den Kultur- bzw. Wirtschaftsabteilungen der Landesregierungen zugeordnet.

Auszahlungen. Die 19 Förderinstitutionen zahlten insgesamt 69,6 Mio. Euro aus, die größten Summen leisteten das Österreichische Filminstitut, der Filmfonds Wien, der FERNSEHFONDS AUSTRIA und der ORF mit dem Film/Fernseh-Abkommen. Die Auszahlungen des Bundes belaufen sich auf rund 44,6 Mio. Euro (inklusive des ORF mit dem Film/Fernseh-Abkommen). Die Auszahlungsbeträge der Länderförderstellen betragen 25 Millionen Euro.


FILMFÖRDERUNG IN EUROPA
MEDIA Measures to Encourage the Development of the Audiovisual Industry
Die Förderschwerpunkte von MEDIA, dem Förderprogramm der Europäischen Union zur Unterstützung der audiovisuellen Industrie in Europa liegen in den Bereichen Entwicklung, Training, Vertrieb, Promotion und Pilotprojekten. 2010 wurden aus dem MEDIA Programm in Österreich 2,4 Mio. Euro vergeben, wie auch in den Jahren zuvor zum größten Teil für die automatische Verleihförderung. Mit fast 0,72 Mio. Euro wurde zusätzlich der Vertrieb von vier österreichischen Filmen (Koproduktionen) in insgesamt 23 Ländern unterstützt.

EURIMAGES Europäischer Koproduktionsfonds
2010 betrug der österreichische Mitgliedsbeitrag für EURIMAGES 464.401 Euro, 2,18% der Beitragszahlungen aller 34 Mitgliedsländer. Vier Filmen mit österreichischer Beteiligung wurden Förderungen in Höhe von 790.000 Euro zugesagt, 89.500 Euro wurde für den Verleih von elf österreichischen Filmen in fünf Ländern vergeben. Für die Digitalisierung ihrer Filme erhielten österreichische ProduzentInnen 88.033 Euro.


DAS EUROPÄISCHE UMFELD
Die Anzahl der Kinobesuche in den 27 EU Mitgliedstaaten erreichte mit 966 Millionen Besuchen einen Rückgang von 1,6% gegenüber 2009. Der europäische Film erzielte 2010 einen Marktanteil von 25,3%, den niedrigsten Besuchsanteil seit 2005. Die europäische Kinolandschaft war erneut von Blockbustern geprägt. An der Spitze der europäischen Charts stehen „Avatar“, Harry Potter and the deathly Hallows: Part 1“ sowie „Toy Story 3“. Mit 1.203 Kinofilmen erreichte die Europäische Union erneut einen Zuwachs an Filmproduktionen (ein Plus von 19 Filmen).